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Spionierende Smart TVs – Kartellamt fordert mehr Transparenz

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14.07.2020

Das Bundeskartellamt kritisiert den Datenschutz bei Smart TVs – oder eher das Fehlen dessen. Die Geräte sammeln Daten wie das Klickverhalten, gleichzeitig herrscht allgemein eine hohe Intransparenz. Denn auch die Frage von zukünftigen Updates ist keinerlei geklärt – und damit ist nicht sicher, wie lange die Geräte überhaupt nutzbar sind.

Verbraucher haben kaum Einfluss auf die Datensammelei der Geräte.

Ärgerliches Eigenleben – die meisten Vorgänge sind den Nutzern verborgen

Seit drei Jahren betrachtet das Bundeskartellamt Geräte verschiedener Hersteller unter den Aspekten Datenschutz und Sicherheit – mit vernichtendem Urteil, wie es jetzt in einem Bericht veröffentlichte. Die Geräte sammeln in kürzester Zeit immer mehr Daten und verfeinern so den digitalen Fingerabdruck.

Zwar können Verbraucher theoretisch diesbezüglich Einstellungen vornehmen, diese sind aber in den Untiefen des Menüs versteckt und wenig benutzerfreundlich. Kaum ein Nutzer dürfte sich durch die verschlungenen Wege klicken. Insgesamt herrscht allerdings wenig Aufklärung über die Geräte. So gibt es von den Herstellern überhaupt keine Informationen darüber, wie lange und wie oft Sicherheitsupdates vorgenommen werden.

Es gibt allerdings noch weitere Kritikpunkte: Die Geräte blenden unaufgefordert Werbung ein, senden Daten an andere Internetadressen, zusätzliche vorinstallierte Apps lassen sich nicht entfernen, die TVs sammeln ferner biometrische Daten wie die Stimme und erfassen die abgespielten Inhalte – um nur einige zu nennen.

Bundeskartellamt fordert mehr Klarheit

Das Bundeskartellamt spricht sich für eindeutige Regeln aus und fordert, dass Transparenz bei Smart TVs zu einem Wettbewerbsparameter wird. Das geht los bei Informationen über Sicherheitsupdates vor dem Kauf, außerdem empfiehlt das Amt eine Reihe weiterer Maßnahmen: So fordert es einen Anspruch auf Updates, die Klärung von Haftungsfragen, eine Aufklärung über technische Details sowie einen umfassenderen Datenschutz.

Derzeit haben Verbraucher keine Möglichkeit, die Geräte hinsichtlich dieser Punkte zu vergleichen. Der Präsident des Bundeskartellamts Andreas Mundt fordert insgesamt eine größere Souveränität der Nutzer über ihre eigenen Daten. Was bei dem Ganzen herauskommt, bleibt allerdings abzuwarten. (tl)