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MRZ
2022

Runet – Russlands Weg zum eigenen Internet?

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23.03.2022

Russlands Trennung von bestimmten Online-Diensten wie den Meta-Angeboten kam bereits mit Beginn des Ukraine-Kriegs. In Zukunft könnte eine noch tiefgreifendere Spaltung des Internets erfolgen, die nicht nur, aber auch Russland betrifft. Einige Bewegungen in diese Richtung gibt es bereits.

Russland ist offensichtlich dabei, sich vom Internet abzukapseln und ein eigenes „Runet“ zu betreiben.

Austritt aus dem WWW kaum umkehrbar

Zum einen hat Russland bestimmte Inhalte verboten, zum anderen hat auch der Westen digitale Dienste von dort abgezogen, wie beispielsweise Apple. Dies könnte nur der Anfang von Russlands Weg heraus aus dem World Wide Web sein. Hinzu kommt unter anderem, dass das Land bereits aus dem Europarat sowie aus der Europäischen Rundfunkunion ausgeschlossen wurde. Da liegt es nahe anzunehmen, dass dies auch irgendwann für Internet-Führungsgremien gilt.

Das globale Internet wird nicht durch einen verbindlichen Konsens aller Nationen zusammengehalten, der ohnehin utopisch wäre. Viel mehr beruht es auf freiwilligem Einhalten von Vereinbarungen. Wenn Russland, und beispielsweise unter anderem auch China, sich irgendwann davon verabschieden und auf ihr eigenes internes Internet ausweichen, könnte das irreversibel sein. Insbesondere dann, wenn die jeweiligen Staaten mit eigenen Gremien und Standards arbeiteten, die jeweils eigene Interessen verfolgen. Es wäre dann zwar technisch immer noch möglich, die Diskrepanzen zu überbrücken, aber politisch nicht.

Russland will sich unabhängiger machen

Hinzu kommt, dass einige Dienste mit Monopolstellung einen so großen Teil des Internets antreiben, dass ihr Rückzug aus einem Land erhebliche Folgen haben könnte. Auch deswegen arbeitet Russland an einer Repatriierung seiner Daten, setzt vermehrt auf ru-Domains und versucht sich immer unabhängiger von ausländischen Dienstleistern zu machen. Darüber hinaus testet der Staat bereits den Betrieb eines sogenannten „Runetzes“.

Allerdings ist Russland kein Einzelfall. Auch der Iran bereitet sich auf die mögliche Situation vor, sich vom globalen Internet unabhängig machen zu müssen. Naheliegend ist die Annahme, dass auch China eines Tages diesen Schritt geht. Allerdings ist die chinesische Diaspora weltweit so verbreitet, dass China daran kein Interesse haben dürfte – viele relevante Positionen der Leitungsgremien des Internets sind jedoch chinesisch besetzt. (tl)