02
NOV
2017

Medienrevolution und Kirche: kein Luther im Digitalisierungszeitalter

by :
comment : 0

02.11.2017

500 Jahre Kirchenreform – 500 Jahre Medienrevolution. Ausgerechnet ein Theologe war es, der mit neuer Technologie sowohl die Kirche als auch die Zukunft verändert hat. So fortschrittlich ist man heute in der geistlichen Welt nicht mehr – die Kirche gilt als Hort des Analogen.

Die Medien handeln Luther, würde er heute leben, als Blogger oder Influencer. Tatsächlich muss die Kirche auf einen Luther der Digitalisierung aber noch warten.

Luther als Digitalisierungsikone

Heiliges Römisches Reich, 1520er: Nachdem Luther bereits seine Thesen an die Kirchentür genagelt und mit seiner Auffassung über die Ablasspraxis für Aufruhr gesorgt hatte, übersetzte er die Bibel ins Vulgärdeutsche und ließ sie auch noch per Druck vervielfältigen. Noch heute sind etliche von ihm ersonnene Wortschöpfungen und Redewendungen im Gebrauch, ohne dass sich die meisten Sprecher darüber bewusst sind. Luther hat demnach mehr erreicht, als nur die Bibel dem breiten Volk zugänglich zu machen – dank des Buchdrucks.

Wahrscheinlich zu Recht unterstellen die heutigen Medien Luther also eine Hinwendung zur Digitalisierung, sehen ihn als einen Pionier, wenn er heute gelebt hätte. „Heute hätte Martin Luther seine Thesen womöglich getwittert“, spekuliert die ZEIT. „Haters gonna hate“, hätte er vermutlich seinen Kritikern geantwortet – und der heutigen evangelischen Kirche, die es mit diesem Internetz so gar nicht gebacken kriegen will. Luther hatte die Möglichkeiten des Medienwandels erkannt und zu seinen Gunsten genutzt.

Die Kirche als letzte Bastion des Analogen

Deutschland, 2017: Das Land ist bei der nächsten Medienrevolution angekommen. Ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Landsleuten regierte Institution hört nicht auf, dem Wandel Widerstand zu leisten. Selbst die verglichen mit den Katholiken progressiven Protestanten sind immer noch der Meinung, ihre schwer zu haltenden Schäfchen mit analogen Mitteln binden zu können. Die Digitalisierung ist doof – Preisgabe auf Facebook statt Beichte im Kämmerlein. Wandern im „finsteren Digital“ in der Tat – der da oben wird’s schon richten. Oder der nächste Luther. Wenn der kommt. (tl)