09
JUL
2019

Landkarten 2.0 – die Macht von Google Maps

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09.07.2019

Google sammelt Daten über Einkaufs- und Suchverhalten – das ist zumindest das, was den meisten Nutzern geläufig ist. Weniger diskutiert ist der Dienst Google Maps und dessen Potenzial nicht nur zur Überwachung, sondern auch zur Einflussnahme. Ein näherer Blick zeigt, wie eng virtueller und physischer Raum bereits jetzt zusammenhängen.

Während Alexander von Humboldt seiner Zeit versucht hat, die Welt so genau wie möglich zu vermessen, ereignen sich bei Google gelegentlich Schnitzer. Das hat Folgen in der realen Welt.

Aus der Karte, aus der Welt

Google Maps ist nicht zu jeder Zeit so exakt wie man denken könnte. Beispielsweise war durch einen Bug einen Monat lang die Stadt Sunrise im US-Staat Florida von der virtuellen Karte verschwunden. Das hatte zur Folge, dass Menschen sowohl die Stadt als auch sämtliche Läden, Restaurants und Einrichtungen nicht mehr fanden. Der Umsatz ging merklich zurück. Das ist nicht nur ein Beweis dafür, wie sehr sich Menschen mittlerweile auf die Technik verlassen.

Wenn wir Google Maps nutzen, finden wir nicht nur das, was wir suchen und den Weg dorthin, sondern der Kartendienst gibt uns auch vor, wo wir hin sollen. Das gibt Google die Macht, theoretisch auch beliebig Orte von der Karte verschwinden zu lassen, sodass diese nicht mehr frequentiert werden können. Nutzer könnten so aktiv und ohne es zu merken dorthin gelenkt werden, wo Tech-Konzerne sie haben wollen. Was zunächst nach Science-Fiction und Verschwörungsglauben klingt, ist theoretisch längst machbar.

Was die Datensammlung sonst noch bedeutet

Google weiß, wo sich Menschen aufhalten, wie sie dorthin kommen und in welche Richtung sie sich bewegen, welche Orte beliebt sind und welche nicht. Mit diesem immensen Wissen ist der Kartendienst Institutionen wie Statistikämtern weit voraus. Doch nicht nur das. Versehentlich falsch gezogene Landesgrenzen können zu einem Politikum werden – so geschehen zwischen Nicaragua und Costa Rica.

Diese Beispiele zeigen, dass der Mensch sich räumlich kontrollieren lässt. Und zwar nicht nur in seinem eigentlichen Verhalten. Dieses kann auch entsprechend beeinflusst werden – sowohl auf individueller als auch auf Länderebene. Was daraus entstehen könnte ist in der Tat Stoff für einen Science-Fiction-Roman. (tl)