16
NOV
2017

Kinderfotos auf Facebook – nachdenken vor dem Posten

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16.11.2017

Urlaubsfotos, Partyfotos, Hochzeitsfotos – auf Facebook kursiert viel, was den eigenen Lifestyle darstellen und im besten Fall stilisieren soll. Leider gehört dazu auch oftmals das Posten von Kinderfotos. Hier sollte die Selbstdarstellung allerdings ein Ende haben.

Ganz nach dem Motto „Die Freiheit des einen hört dort auf, wo die Freiheit des anderen beginnt“ sollten Eltern die Veröffentlichung ihrer Nachwuchsfotos überdenken.

Auch Kinder haben Persönlichkeitsrechte

Oftmals machen Eltern keine Unterschiede bei der Bildauswahl – halbnackte Fotos im Sommer werden genauso gepostet wie vermeintlich niedliche aber peinliche Motive. Das kann mittel- bis langfristig Konsequenzen haben. Denn auch Kinder haben eine Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte, die von den eigenen Eltern mit dem Posten solcher Fotos regelmäßig verletzt werden. Denkbar ist, dass deswegen viele Kinder später gegen ihre Eltern klagen.

Theoretisch muss jeder, von dem ein Foto gepostet wird, vorher nach seinem Einverständnis gefragt werden. Das gilt auch für Kinder ab 14 Jahren. Ab diesem Alter haben sie ein Mitspracherecht an der Veröffentlichung der eigenen Bilder. Mit 18 Jahren können sie dann vollständig selbst entscheiden – und zur Not auch die Löschung vorhandener Bilder verlangen.

Auf das Motiv kommt es an

Gerade Nacktbilder und solche, in denen das Kind leicht bekleidet zu sehen ist, sind im Netz vollständig tabu. Pädophile durchforsten das Internet gezielt nach solchen Motiven und auch die Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook sind keine Garantie dafür, dass die Bilder nicht in den falschen Händen landen. Immerhin dieser Umstand ist vielen Eltern noch bewusst.

Aber auch andere Bilder in Situationen, die dem Kind später peinlich sein könnten, sind massenhaft im Netz zu finden. Dafür muss das Kind nicht erst ins Berufsleben einsteigen, um irgendwann Probleme durch solche Veröffentlichungen zu bekommen – die Bilder können auch bereits von Schulkameraden zum Mobbing genutzt werden. So etwas hat weitreichendere Konsequenzen als das Analog-Mobbing in der Schule, wo man wenigstens noch weiß, wer dahinter steckt.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat daher nun eine Kampagne gestartet, die über Kinderfotos im Netz aufklärt und Tipps zum Umgang gibt. Denn ganz müssen die Eltern auf die Zurschaustellung des Nachwuchses nicht verzichten, wenn es denn unbedingt sein muss. Beispielsweise sind Detailaufnahmen oder Aufnahmen von hinten – sofern bekleidet – in Ordnung. (tl)