03
FEB
2021

Impfrekorde in Israel und Deutschlands schleppender Start

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03.02.2021

Warum ist man in Israel mit der Impfung so schnell, warum geht in Deutschland nichts voran? Diese Frage hört man in den letzten Tagen immer häufiger. Während nach derzeitigem Stand bereits ein Drittel der Einwohner des kleinen Landes im Nahen Osten mindestens einen Shot erhalten hat, scheitert man in Deutschland schon bei der Terminvergabe.

Doch es ist nicht nur das Organisationschaos: Die Gründe, warum Deutschland deutlich hinterherhinkt, sind vielfältig.

Elektronische Patientenakten für Impfdeals

Ein wichtiger Grund ist die Digitalisierung, die in Deutschland im Gegensatz zu Israel langsam voran geht, was sich nun auch in den Impfkampagnen niederschlägt. In Deutschland steht der Datenschutz jeder Neuerung im Weg, in Israel sind elektronische Patientenakten bereits etabliert und als anonymisierter Datensatz verfügbar. Sie dienen als Grundlage unter anderem für medizinische Forschung und können von KIs nach bestimmten Kriterien durchsucht werden.

Dank dieses Systems konnte Israel einen Deal mit Pfizer und Biontech abschließen, bei dem das Land Impfdosen gegen Patientendaten erhält. Die Daten geben den Unternehmen Aufschluss über die Wirksamkeit des Impfstoffes auch bezogen auf Alter, Vorerkrankungen und dergleichen. Diese sind in der Regel schwierig zu bekommen. Die israelische gilt als die weltweit umfangreichste Datenbank.

Sperrige Strukturen und Datenschutzbedenken

Natürlich ist es in einem Land mit einer Einwohnerzahl wie die Israels (9 Millionen) einfacher, Impfungen zu organisieren. Darüber hinaus gibt es dort auch nur vier große Krankenversicherungen, die alle an Praxen und Krankenhausnetzwerke angeschlossen sind. Die unübersichtliche Situation mit vielen Krankenversicherern in Deutschland ist ein weiterer Grund, weswegen eine elektronische und vor allem zentrale Patientenakte schwer umsetzbar ist.

Hinzu kommen außerdem wie immer deutsche Datenschutzbedenken, auch wenn man in Israel der Nutzung seiner Daten widersprechen kann. Missbrauch kann es in der Tat immer geben, doch sollte man sich fragen, was am Ende schwerer wiegt: die vollständige Vermeidung dessen oder die Durchsetzung wichtiger medizinischer Maßnahmen. (tl)