04
SEP
2020

Human Touch? Forscher experimentieren mit Roboterhänden

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04.09.2020

Die Begegnung zwischen Robotern und Menschen wird bald auf ein neues Level gehoben: Kommunikation und Hilfsdienste seitens der Roboter sind das eine, Berührungen das andere. Ein japanisch-tschechisches Experiment hat jetzt den Anfang gemacht: Menschen sollten die Berührungen mit Roboterhänden beurteilen.

Die Forscher haben sich bemüht, die Roboterhände möglichst menschenecht nachzubilden.

Knochen und Körperwärme

Die Roboterhand wurde vor allem an der Tokyo University of Agriculture and Technology entwickelt und besteht wie eine menschliche Hand aus Haut und Knochen, hat Fingernägel und ist nachgiebig sowie beweglich. Vor allem aber verfügt sie über ein Heizsystem, um dem Ganzen den besonderen menschlichen Touch zu verleihen.

Drei Mal Hände schütteln

Drei Experimente in Japan und Tschechien sollten zeigen, wie Menschen die Berührung mit der Roboterhand wahrnehmen. Dazu sollten die Probanden unterschiedliche Designs von Fingern berühren – darunter die der Roboterhand. Welches Modell sie berührten, konnten sie allerdings nicht sehen. Dennoch empfanden sie die Roboterfinger als am menschlichsten.

Im zweiten Experiment sollten die Teilnehmer eine Gummihand, eine Roboterhand sowie eine Menschenhand berühren. Die Roboterhand wurde der Gummihand vor allem deswegen vorgezogen, weil sie über Wärme verfügte. Im dritten Experiment schüttelten die Probanden eine Hand, die am Roboterarm befestigt war – einmal mit flexiblem, einmal mit starrem Handgelenk. Hierbei empfanden sie kaum Unterschiede.

Unheimlich menschlich

Die Forscher wollen das Experiment verfeinern und auch mit mehr Probanden durchführen, um es repräsentativer zu machen. Hierbei spielt auch der Effekt des „Uncanny Valley“ (unheimliches Tal) eine Rolle, der auf Masahiro Mori zurückgeht. Eine bestimmte Menschenähnlichkeit der Roboter wird von den Menschen akzeptiert, ab einem gewissen Grad allerdings abgelehnt. Der Roboter wird als unheimlich empfunden, weil er zwar an Menschen erinnert, ihm aber jegliche menschliche Eigenschaften fehlen.

Die „Körperwärme“ des Roboters soll laut den Forschern helfen, diesen Eindruck zu verringern. Insgesamt habe sich der Effekt aber ohnehin seit den 1970ern, wo er erstmalig beschrieben wurde, abgeschwächt. Dies ist wahrscheinlich auf eine allmähliche Gewöhnung der Menschen an Technologie zurückzuführen. (tl)