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AUG
2015

Fact Checking – Wahrheitssoftware für Online-Aussagen

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26.08.2015

„Das Dumme an Zitaten aus dem Internet ist, dass man nie weiß, ob sie wahr sind.“ (Leonardo Da Vinci). Dieses „Zitat“, das im Netz regelmäßig die Runde macht, nimmt ein Grundsatzproblem auf die Schippe: die Glaubwürdigkeit von Online-Inhalten. Nun gibt es verschiedene Fact-Checking-Ansätze, die den Wahrheitsgehalt zumindest einschätzen sollen.

Insbesondere in den USA und Europa sind in der letzten Zeit Forschungsprojekte entstanden, die jeweils an einer Software bzw. einem Algorithmus arbeiten, um nicht nur Inhalte von Texten, sondern beispielsweise auch Politikerreden in Echtzeit einem Faktencheck zu unterziehen.

Die Ergebnisse sollen dem Journalismus und der Medizin zugute kommen. Als Beispiel sei hier das internationale Projekt Pheme genannt, an dem auch Deutschland beteiligt ist.

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Pheme: Gegen Falschmeldungen auf Twitter und Co.

Das Projekt Pheme untersucht den Wahrheitsgehalt von Social-Media-Meldungen auf Twitter und Facebook, aber auch in unterschiedlichen Foren und entwickelt auf dieser Basis einen Algorithmus, der die tatsächlichen Fakten herausfiltern soll. Denn insbesondere in sozialen Netzwerken ist die unhinterfragte Verbreitung von Informationen und „Informationen“ gang und gäbe.

Pheme geht dabei in drei Schritten vor. Zunächst wird der Text an sich untersucht: Wie ist die Aussage und wie wird diese formuliert? Es folgt ein Faktenabgleich mit vertrauenswürdigen Online-Quellen, woraufhin dann die Verbreitung der Nachricht und ihr Verfasser selbst untersucht werden. So erhoffen sich die Projekt-Macher, unter anderem auch „Wiederholungstäter“, also notorische Falschmelder, herauszufiltern.

Wahrheit ist nicht gleich Fakt

Das Problem bei Pheme und anderen Truth-Softwares: Ohne hinterlegte Fakten in Datenbanken geht es noch nicht. Darüber hinaus ist das mit der objektiven Wahrheit so eine Sache. Hier wird es fast philosophisch. Selbst die Projektbeteiligten wollen eine solche Aufgabe nicht vollends einer Maschine überlassen.

Für annähernd zuverlässige Einschätzungen bräuchte man außerdem noch den kulturellen und sozialen Kontext des Verfassers, was eine besondere Herausforderung darstellt. Dennoch will Pheme in Zukunft auch hier ansetzen. Langfristig kann das Tool für erste Einschätzungen also eine hilfreiche Orientierung sein.

So lange es aber keine Software für kritisches Denken gibt, ist man gut beraten, die eine oder andere Aussage eigenständig zu verifizieren. Im Gegensatz zu Leonardo Da Vinci müssen wir immerhin nicht selbst Meere untersuchen und Leichen sezieren. Dafür haben wir ja das Internet. (tl)