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MAI
2017

Digitalisierung – eine Chance für Menschen mit Behinderung?

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12.05.2017

Die zwei Seiten der Digitalisierung – in kaum einem Bereich zeigen sie sich so deutlich wie im Arbeitsleben von Menschen mit Behinderungen. Hier ist sie gleichzeitig Fluch und Segen, wie auch ein Forschungsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zeigt.

Der Forschungsbericht entstand im letzten Jahr zum Thema „Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung“.

Digitale Möglichkeiten zur Inklusion

Keine Frage – die immer weiter entwickelten technischen Möglichkeiten können den Arbeitsalltag für Menschen gerade mit körperlicher Behinderung erleichtern. Assistive Programme können dafür sorgen, dass beispielsweise Menschen mit Sehbehinderungen dennoch auf dem Bildschirm lesen oder Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit den Computer mit Blickkontakt bedienen können.

Darüber hinaus sind es vor allem Menschen mit einer hohen fachlichen Qualifikation, die dank der digitalen Möglichkeiten Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Sie sind in der Lage, die teilweise hochkomplexen Anforderungen der Technologien zu verstehen, allerdings spielt laut dem Forschungsbericht ihre Qualifikation eine größere Rolle als bei geringer qualifizierten Menschen ohne Behinderung. Je spezifischer Menschen mit Behinderungen qualifiziert sind, umso höher sind ihre Chancen.

Grenzen und Nachteile

Für Menschen mit psychischen oder geistigen Einschränkungen bietet die Digitalisierung des Arbeitslebens allerdings einen geringen Vorteil. Je nach Erkrankung können sie überfordert sein mit den sich ständig ändernden Arbeitsweisen und -bedingungen. Darüber hinaus sind die Technologien oftmals zu komplex, um gänzlich erfasst und bedient werden zu können.

Durch die verbesserten Technologien fallen außerdem viele Bereiche weg, in denen Menschen mit Behinderungen arbeiten konnten. Allerdings entstehen auch für diese Menschen durch die Digitalisierung einfache Arbeitsaufgaben, die nicht ohne weiteres von einer Maschine übernommen werden können. Dazu zählen zum Beispiel Arbeiten wie Verpacken, das Aufbereiten von IT-Geräten oder Datenlöschung. Unterm Strich handelt es sich hierbei aber nur um Nischen.

Insgesamt geht daher aus dem Forschungsbericht hervor, dass die Digitalisierung trotz Potenzial nicht viel zur Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen beitragen kann. Allerdings verschieben sich die Schwerpunkte. (tl)