02
APR
2019

Digitalisierung – das denkt Europa

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02.04.2019

Dass die Deutschen der Digitalisierung skeptisch gegenüber stehen, wird regelmäßig bemängelt. Damit sind wir allerdings nicht allein in Europa, wie eine neue Studie belegt. Acht Länder wurden befragt, und überall zeichnet sich ein ähnliches Bild.

Die Studie „European Tech Insides“ des Center for the Governance of Change“ zeigt, dass Europäer von der Digitalisierung verunsichert sind.

Konsens: schadhafte Entwicklung

Unter den acht befragten Ländern waren sowohl Deutschland als auch Italien, die Niederlande, England und Frankreich. Die Fragen zur Einstellung gegenüber der Digitalisierung bezogen sich sowohl auf den beruflichen als auch den privaten Bereich. Vergleicht man die Ergebnisse der einzelnen Länder miteinander, ist die überwiegende Übereinstimmung zu diesen Fragen trotz kultureller Unterschiede auffallend.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Europäer die Digitalisierung relativ dystopisch sehen, sofern nicht von den Regierungen eingegriffen wird. Langfristig erwartet die Bevölkerung durch die Digitalisierung mehr Schaden als Nutzen, wenn keine Regulierungen erfolgen. 70 Prozent der Befragten gaben dies an – die Altersstufen spielten dabei keine Rolle.

Arbeitsleben und Zwischenmenschliches

So wünschen sie sich eine Regulierung beispielsweise des Robotereinsatzes in Unternehmen. 75 Prozent der Befragten fordern, dass Roboter nur für gefährliche oder ungesunde Arbeiten eingesetzt werden, 70 Prozent sind für eine Unterstützung derjenigen Arbeitnehmer, die durch Roboter arbeitslos wurden – selbst, wenn das eine Steuererhöhung nach sich zieht.

Aber auch von ihren Arbeitgebern wünschen sich die Befragten mehr Einsatz. 40 Prozent sind der Meinung, dass ihr Unternehmen in zehn Jahren nicht mehr existieren wird, wenn es sich nicht schnell den rasanten Änderungen anpasst.

Was den zwischenmenschlichen Bereich angeht, befürchten 68 Prozent, dass in Zukunft das Sozialleben mehr digital als in der richtigen Welt stattfinden wird. Vor allem ältere Studienteilnehmer gaben dies an.

KI soll politische Entscheidungen treffen

Diesem Pessimismus stehen 25 Prozent der Unerschrockenen gegenüber, die die Schicksale des eigenen Landes in digitale Hände legen würden. Wichtige Entscheidungen betreffend die Regierung eines Landes können demnach von einer Künstlichen Intelligenz getroffen werden. Hier überwiegt das Misstrauen gegenüber Politikern und Regierungen dasjenige gegen die Digitalisierung. (tl)