09
JUN
2017

Digitalisierung – Chancen für Entwicklungsländer?

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09.06.2017

Die Digitalisierung kann für Menschen in Entwicklungsländern neue Perspektiven bieten und Gründe für Armut und Flucht beseitigen – sie birgt aber gerade in diesen Ländern auch Nachteile. Wie immer ist sie Fluch und Segen zugleich.

Nicht nur finanziell gibt es eine Kluft zwischen Arm und Reich, wenn man Entwicklungs- mit Industrieländern vergleicht. Auch in der Digitalisierung schlagen sich die Defizite vieler Länder nieder.

Weniger Benachteiligung dank Vernetzung

Probleme wie Armut und unzureichende Infrastrukturen können in Entwicklungsländern mit den Errungenschaften einer digitalen Welt ausgeglichen werden. Viele gesellschaftliche Nachteile lassen sich dadurch relativieren, wie ein Beispiel aus Afrika zeigt: Dank der Zahlungs-App „M-Pesa“ (Suaheli für elektronisches Geld) können auch dann Bezahlungen und Überweisungen getätigt werden, wenn kein Bankkonto vorhanden ist. Das ist in Kenia immerhin zu 70 Prozent der Fall.

Apps sorgen auch anderweitig für neue Geschäftsmodelle, von denen unter anderem die Bauern profitieren. Versicherungspolicen gegen Ernteausfälle können beispielsweise dank der Digitalisierung günstiger angeboten werden, wodurch sich viele Bauern diese überhaupt erst leisten und so ihr geschäftliches Risiko minimieren können. Auch im Bereich Bildung und Gesundheit kann eine umfassendere Versorgung erreicht werden, indem abgeschnittene Regionen besser eingebunden werden.

Digitalisierung – kein „Game Changer“ für alle

Gleichzeitig stellt die Digitalisierung gerade im Bildungsbereich ein Problem dar, denn sie kann nur von denen genutzt werden, die des Lesens und Schreibens mächtig sind. Das bedeutet wiederum, dass ein großer Teil der Bevölkerung weiterhin ausgeschlossen bleibt. Ein zusätzlicher Anreiz, vermehrt in die Bildungspolitik zu investieren.

Darüber hinaus schafft Digitalisierung in Entwicklungsländern nicht nur einfachere Arbeitsprozesse, sondern sie sorgt auch dafür, dass ganze Beschäftigungsfelder in Produktionsprozessen wegfallen. Zudem können die automatisierten Prozesse dazu führen, dass die Produktion aufgrund gefallener Kosten wieder in den Industrieländern stattfindet.

Bisher zeichnet sich insgesamt ab, dass in den Entwicklungsländern vor allem diejenigen von der Digitalisierung profitieren, die über einen höheren Bildungsstand und eine bessere Vernetzung verfügen als der dortige Durchschnitt. (tl)