25
JUN
2020

Digitalisierung an Schulen: Home-Schooling vergrößert soziale Ungleichheit

by :
comment : 0

25.06.2020

Mit der Digitalisierung war es vor Corona an deutschen Schulen nicht weit her – umso holpriger ließ sich vielerorts der Start ins Home-Schooling an. Doch ein weiteres großes Problem ist, dass der virtuelle Unterricht die soziale Ungleichheit an Schulen deutlich verstärken wird. Denn für viele Schüler sind auch im Jahr 2020 ein stabiles Internet und leistungsfähige Endgeräte keine Selbstverständlichkeit.

Vor dem virtuellen Unterricht gab es kaum Zeit für die Vorbereitung sinnvoller Konzepte. Auch die Klärung der Technik blieb lange auf der Strecke und erforderte viel Aufwand.

Keine gleichen Bedingungen für alle

Schulen haben kaum Ressourcen für digitale Ausstattung, so dass sich die Eltern oft selbst um W-LAN-Bandbreite, Laptops und Drucker kümmern müssen. Gerade in sozial benachteiligten Familien ist das allerdings ein Problem – mit dem Ergebnis, dass nun noch mehr Schüler auf der Strecke bleiben. In vielen Fällen haben die Kinder auch kein eigenes Zimmer, in dem sie ungestört dem Unterricht auf dem Bildschirm folgen können.

Digitalisierung macht nicht Schule

Der Umgang mit digitalen Medien wurde entsprechend zuvor im Unterricht auch kaum geübt. Laut der internationalen Studie ICLIS nutzen gerade einmal vier Prozent der deutschen Schüler überhaupt täglich digitale Medien im Unterricht. In Dänemark sind es beispielsweise 91 Prozent. 15 Prozent der Schüler gaben an, eigene Geräte zu nutzen – im internationalen Vergleich immer noch viel zu wenig. Diese Rückständigkeit wirkt sich nun auf das Home-Schooling aus. Digitale Kompetenzen werden demnach auch ein Vierteljahrhundert nach dem Start des Internets überwiegend außerhalb der Schulen erworben.

Lichtblicke im Chaos

Das Home-Schooling bringt auch eine andere Form der Lernstoffvermittlung mit sich und erfordert von den Schülern mehr Kreativität und freies Denken – Anforderungen, die man von deutschen Schulen sonst weniger gewohnt ist. Immerhin bringt die aktuelle Situation die Chance mit sich, Kompetenzen auf diesem Gebiet zu erwerben. Ebenso dürfte der digitale Unterricht deutlich Lücken in der Digitalkompetenz der Schüler schließen. Ganz verloren ist die Zeit für sie demnach nicht. (tl)