28
JAN
2019

Charakteranalyse durch Stimme – Software macht es möglich

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28.01.2019

Ein komplettes Persönlichkeitsprofil innerhalb von 15 Minuten – das geht angeblich mit der Software von Precire, einem Aachener Startup. Das System kann allein anhand der Stimme eine Analyse der betreffenden Person erstellen. Für Unternehmen bedeutet das faszinierende Möglichkeiten, für Datenschützer Alarm.

Laut Precire haben schon viele namhafte Unternehmen Interesse bekundet – unter anderem der Personaldienstleister Randstad und der Frankfurter Flughafen.

Urlaubsberichte im Bewerbungsgespräch

Um die Software zu erstellen wurde sie mit Daten von 5000 Personen gefüttert. Anhand derer sollte sie lernen, wie sich etwa ein neugieriger Mensch von einem lethargischen stimmlich unterscheidet. Die Probanden wurden zuvor psychologisch untersucht und mussten daraufhin Stimmproben abgeben.

Nach abgeschlossener Lernphase war die Software laut Precire mit einer Genauigkeit von 85 Prozent in der Lage, die Persönlichkeiten von Sprechern auszuwerten. Hierfür genügte ein 15-minütiges Telefongespräch mit einem Computer, das die Kandidaten von zu Hause führen konnten. Dabei sollten sie über die banalsten Themen reden wie etwa ihren letzten Urlaub. Denn für die Software ist nicht der Inhalt entscheidend, sondern allein wie jemand etwas sagt.

Vorteile der Sprechanalyse

Die Software analysiert Unmengen kleiner verschiedener Aspekte der Sprache – wie beispielsweise Tonlage, Geschwindigkeit, Pausen oder Wortwahl. Unternehmen und auch Bewerbungskandidaten sind davon angetan: Für Unternehmen entfällt die Organisation des zeit- und kostenaufwendigen Assessment-Centers, darüber hinaus geht die Auswahl der Bewerber schneller und ist objektiv. Für die Kandidaten entfallen die Anreise und die Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch oder das Assessment-Center. Außerdem sind viele neugierig auf die neue Technologie.

Doch nicht nur für Bewerbungen lässt sich die Precire-Software einsetzen. Auch für Krankenkassen kann das Konzept interessant sein, wenn sie den psychischen Zustand ihrer Kunden erfassen wollen.

Kritik an Precire

Datenschützer bemängeln hingegen, dass die Software tief in das Persönlichkeitsrecht eingreift und Informationen zum Vorschein bringt, die über das eigentlich Erforderliche hinaus gehen.

Darüber hinaus lässt sich die Software auch heimlich ohne die Zustimmung der Betroffenen einsetzen, was viele Möglichkeiten des Missbrauchs eröffnet. Außerdem halten Kritiker die Genauigkeit der Software für fragwürdig. Auch trifft sie keine langfristig gültigen Aussagen, da sich Persönlichkeiten verändern können. (tl)